Sie haben ein Laguiole-Taschenmesser made in France mit A.I.P.C.L.-Nummer?

Hier nachschlagen, wem es gehört und aus welcher Schmiede es stammt. Wenn Sie keine Nummer haben, wenden Sie sich an Ihren Händler oder an die Schmiede!

Aus der Prüfung  ·  von Justin Jernoiu  ·  04.09.2026  Hintergrund

Thiers und Laguiole: die zwei Hauptstädte des französischen Messers

Warum das A.I.P.C.L.-Echtheitszertifikat beide Herkünfte umfasst - und warum es das Laguiole-Messer ohne Thiers heute nicht mehr gäbe.

Zwei Namen, die beides bedeuten

Wenn wir von einem Laguiole und von einem Thiers sprechen, meinen wir zunächst zwei Messermodelle. Beide Wörter sind aber zuerst Ortsnamen: ein Dorf im Aveyron und eine Stadt im Puy-de-Dôme, gut 190 Kilometer voneinander entfernt.

Diese beiden Orte hängen enger zusammen, als die meisten Sammler ahnen. Wer die Verbindung kennt, versteht sofort, warum unser Echtheitszertifikat für Messer aus beiden Herkünften ausgestellt wird. Und er versteht auch, warum es uns nicht in Verlegenheit bringt, wenn jemand fragt, ob ein in Thiers gefertigtes Laguiole denn ein richtiges Laguiole sei.

Laguiole: ein Dorf auf dem Hochplateau

Laguiole liegt im Norden des Départements Aveyron, auf dem Hochplateau des Aubrac, gut tausend Meter über dem Meer. Rund tausend Menschen leben dort. Die Winter sind lang, das Land ist Weideland, und bekannt ist der Ort für dreierlei: für seine Rinderrasse, für den Käse gleichen Namens, der im Aligot steckt, und für das Messer.

1829 entstand hier das Klappmesser, das den Namen des Dorfes trägt, entwickelt aus dem bäuerlichen Capuchadou. Wie aus dieser Erfindung ein Name wurde, den heute jeder benutzen darf, haben wir an anderer Stelle ausführlich beschrieben: Warum machen so viele Schmieden bei dem A.I.P.C.L.-Konzept mit?

Thiers: die Stadt, die Frankreich mit Messern versorgte

Thiers liegt in der Auvergne, im Département Puy-de-Dôme, an einem steilen Hang über der Durolle. Dieses schnelle Flüsschen hat die Stadt gemacht: Sein Gefälle trieb über Jahrhunderte die Wasserräder der Schleifereien an, die sich im Tal aneinanderreihten. Die Schleifer lagen dabei bäuchlings auf Brettern über dem Wasser, oft mit einem Hund auf den Beinen, der sie in der Kälte wärmte.

Seit dem Mittelalter wird in Thiers Schneidware hergestellt, über sechshundert Jahre ohne Unterbrechung. Wer in Frankreich ein Messer wollte, kaufte über Jahrhunderte hinweg ein Messer aus Thiers. Bis heute kommt der weitaus größte Teil der französischen Messerherstellung von dort, und zahlreiche Modelle, die den Namen einer ganz anderen Region tragen, wurden und werden in Thiers gefertigt.

Thiers ist deshalb nicht der Konkurrent des Aveyron. Thiers ist die Werkstatt, in der Frankreich sein Messerhandwerk aufbewahrt hat. Dass in der Stadt trotzdem nicht alles französisch ist, was dort über den Ladentisch geht, ist eine andere Geschichte, und wir haben sie an einem echten Fall erzählt: Gekauft in Thiers, hergestellt woanders.

Die Jahrzehnte, in denen kein Laguiole aus Laguiole kam

Das ist der Teil der Geschichte, den viele Käufer nicht kennen, und er ist der wichtigste.

Der Erste Weltkrieg traf das Dorf hart. Viele Handwerker, die auszogen, kehrten nicht zurück. Ab den 1920er Jahren kam hinzu, dass die Herstellung im Becken von Thiers zunehmend maschinell und arbeitsteilig wurde. Gegen diese Fertigung konnten die wenigen verbliebenen Schmiede im Aubrac nicht bestehen. Die Herstellung wanderte ab.

Wie weit das ging, zeigt eine einzige Zahl: Anfang der 1980er Jahre gab es im Dorf Laguiole noch zwei Verkaufsstellen für Laguiole-Messer. Beide verkauften Messer, die in Thiers hergestellt worden waren.

Über mehr als ein halbes Jahrhundert wurde das Laguiole-Messer fast ausschließlich in Thiers gefertigt. Ohne diese Jahrzehnte gäbe es heute nichts mehr, was man in Laguiole hätte wiederbeleben können.

Thiers hat das Modell durch eine Zeit getragen, in der sein Heimatdorf es nicht mehr fertigen konnte. Das ist keine Fußnote. Das ist der Grund, warum es das Laguiole überhaupt noch gibt.

1984: die jungen Laguiolais gehen in Thiers in die Lehre

Die Rückkehr begann in den 1980er Jahren, und sie begann mit einer politischen Entscheidung. 1984 taten sich die Gewählten des Aubrac zusammen, um die Messerherstellung ins Dorf zurückzuholen. Ihr erster Schritt war kein Gebäude und keine Maschine, sondern eine Ausbildung: Sie schickten junge Laguiolais zum Erlernen des Messerhandwerks fort, unter anderem nach Thiers und nach Nogent.

1985 entstand im Dorf die erste Montagewerkstatt, 1987 folgte die Forge de Laguiole. Was danach in Laguiole wieder aufgebaut wurde, wuchs auf diesem Wissen.

Das Können kam also nicht als Lizenz und nicht als Kaufvertrag zurück nach Laguiole. Es kam in den Händen junger Leute, die es sich dort geholt hatten, wo es noch lebte.

Und heute? Der Name gehört wieder dem Ort

Seit 2024 ist der Ortsname rechtlich an den Ort gebunden. Die geografische Angabe "Couteau de Laguiole" schützt ihn für ein eng umgrenztes Gebiet im Norden des Aveyron. Thiers gehört ausdrücklich nicht dazu.

Das klingt im ersten Moment so, als widerspräche es allem, was Sie gerade gelesen haben. Es tut es nicht.

Eine geografische Angabe regelt, wer ein Messer unter einer bestimmten Bezeichnung führen darf. Sie sagt nichts darüber, ob ein anderes Messer echt ist, ob es von Hand gefertigt wurde oder wie gut es ist. Ein in Thiers handgefertigtes Messer wird dadurch nicht zur Fälschung. Es darf nur nicht unter dieser geschützten Bezeichnung antreten.

Wie dieser Schutz zustande kam, welche Häuser ihn heute tragen und was der Stempel auf der Klinge bedeutet, haben wir in einem eigenen Beitrag ausführlich aufgeschrieben: Die IG "Couteau de Laguiole" erklärt.

Warum unser Zertifikat beide Herkünfte umfasst

Das A.I.P.C.L.-Echtheitszertifikat beantwortet eine andere Frage als eine geografische Angabe. Es sagt nicht, welchen Namen ein Messer tragen darf. Es sagt, was dieses eine Stück ist: dass genau dieses Messer, unter genau dieser Nummer, in Frankreich von Hand gefertigt wurde, in einer Schmiede, die wir mit Namen kennen und die dafür einsteht.

Vor dieser Frage sind Aveyron und Puy-de-Dôme gleichrangig. Ein Le Thiers von Claude Dozorme ist kein halbes Original, und ein Laguiole aus einer Thierser Werkstatt ist es genauso wenig. Beide stammen aus einer französischen Manufaktur, beide sind das Ergebnis derselben jahrhundertealten Schule.

Die Trennlinie, um die es uns geht, verläuft an einer ganz anderen Stelle. Nicht zwischen zwei französischen Regionen, die sich das Handwerk seit Generationen gegenseitig erhalten, sondern zwischen einem Messer, das in Frankreich von einem Menschen gebaut wurde, und einem Messer, das nur den Namen trägt, ohne Schmiede, ohne Gravur, ohne jemanden, der dafür geradesteht. Wo genau wir diese Linie ziehen und was wir von einer Schmiede verlangen, steht in Was bedeutet Laguiole Made in France?

Deshalb steht in unserem Zertifikat keine Region, sondern eine Werkstatt.

Was wir daraus mitnehmen

Die Geschichte des Laguiole-Messers ist im Grunde der Beweis einer französischen Zusammenarbeit über die Grenzen der Regionalität hinweg. Thiers hat das Messer durch die Jahrzehnte getragen, in denen sein Heimatdorf es nicht mehr fertigen konnte, und Thiers hat die Hände ausgebildet, die es dorthin zurückgebracht haben. Wer eine der beiden Städte gegen die andere ausspielt, hat die Geschichte des Messers nicht verstanden. Deshalb umfasst unser Echtheitszertifikat beide Herkünfte.

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Weiterlesen im Blog von original-laguiole.de
Dort schreiben Sammler und Kenner über ihre eigenen Messer: über die Patina nach Jahren, über das Schärfen, über Fundstücke und Restaurierungen. Zu den Beiträgen. Und wer selbst ein Laguiole besitzt, schreibt dort gerne mit.

Ihr Laguiole hat noch kein A.I.P.C.L.-Echtheitszertifikat?

Sie können es nachträglich eintragen lassen, ganz gleich, wo Sie das Messer gekauft haben. Wir prüfen anhand Ihrer Fotos, ob es wirklich aus einer französischen Schmiede stammt, ordnen es dieser Schmiede zu und tragen es unter einer eigenen Nummer ein. Danach hat Ihr Messer dieselbe Seite und dasselbe Dokument wie jedes bei uns gekaufte.

Die Prüfung kostet 10,00 Euro. Fällt sie negativ aus, erstatten wir den Betrag.